Die Anthon-Fälschung
übersetzt vom Video-Clip (1, 2 und 3) von Manfred Trzoska
1980, Salt Lake City, Utah; Heimat der Mormonenkirche und Schauplatz einer Entdeckung, die Schockwellen über Amerika aussandte.
Mark Hofmann,
ein Medizinstudent im ersten Jahr hat eine alte Bibel gekauft. Zwischen ihren Seiten steckt ein mysteriöses Dokument.
Da er nicht in der Lage ist, zu erkennen, was es ist, und um es sicher herauszubekommen, sucht Hofmann einen Experten auf, der ihm helfen soll.
Er beobachtet wie Professor Jeff Simmonds, Kurator der Universitäts-Archive, das seit langem verlorene Anthon-Transkript, herausholt.
Robert Stott, Staatsanwalt:
„Dies war ein Dokument mit merkwürdigen Schriftzeichen darauf, die angeblich von Joseph Smith erstellt wurden, als Abschriften der Schriftzeichen, die von den Goldenen Platten stammten, von denen er das Buch Mormon übersetzte.
Sie sehen also, dass dies ein erstaunliches Dokument wäre. Sie entschieden, dass dies ein echtes Joseph-Smith-Dokument war."
Brent Ashworth, Sammler:
„Plötzlich war er der Mann, der mit einem der großen historischen Funde der Mormonengeschichte daherkam.“
Für die Mormonengemeinschaft ist das Anthon-Transkript das Wort Gottes, das ihnen durch die Hand des Gründers Joseph Smith
offenbart wurde. Hofmann verkauft seinen erstaunlichen Fund an die Mormonenkirche für $20.000. Hofmann wird zu einem Star.
Sein Status in der Mormonengemeinschaft schießt in die Höhe. Kirchenführer, die Interesse an der Mormonengeschichte haben, umarmen ihn.
Von links nach rechts: Mark Hofmann, N. Eldon Tanner, Spencer W. Kimball, Marion G. Romney, Boyd. K. Packer, Gordon B. Hinckley
Er gibt das Medizinstudium auf, um vollzeitig nach Dokumenten zu suchen. Sechs Monate später macht Hofmann einen weiteren unglaublichen Fund. Er bringt 3 Joseph-Smith-Briefe ans Licht, die er für $95.000 verkauft.
Das Geld fließt in die Kasse. Als Hofmann sich anbot, Vorträge über seine vielen Funde zu halten, stehen die Mormonen Schlange, um mehr über ihren Glauben zu lernen.
Robert Stott, Staatsanwalt:
„Ich erinnere mich tatsächlich an ein Seminar, als Mr. Hofmann über eine seiner Entdeckungen sprach, und ich fand es ziemlich faszinierend.“
Er nutzte Gelegenheiten, Beziehungen mit wohlhabenden Sammlern aufzubauen, die sich darum rissen, von ihm Dokumente zu kaufen.
Curt Bench, Dokumentenhändler:
„Er traf sich häufig mit uns, er brachte Material zum Verkauf oder zum Handeln mit, und er tat es auf einer regulären Grundlage, so dass man begann, darauf zu zählen.“
Brent Ashworth, Sammler:
„Offensichtlich kam er mit einigen bemerkenswerten Funden und er sagte, dass er der Torwächter zum Dokument wäre.“
Im Laufe des nächsten Jahres macht Hofmann noch mehr scheinbare Entdeckungen, einschließlich von Dokumenten von nationaler Bedeutung von der Hand Daniel Boones, Abraham Lincolns, George Washingtons und Jack Londons.
Sein Ruf verbreitete sich. Die Mormonenkirche glaubt, dass er von Gott berührt wurde.
Brent Ashworth, Sammler:
„Er hatte sicher mehr Zugriff auf die Kirchengeschichtliche Abteilung als wir alle selbst, so dass sie ihm erlaubten, alles zu sehen, was er wollte. Er war zu diesem Zeitpunkt eine Berühmtheit.“
Aber was wir nicht wissen, ist, dass Hoffman seine Berühmtheit dafür benutzte, um heimlich die Namen, Daten und Handschriftenstile auf den empfindlichsten Dokumenten der Kirche zu lernen,
Information, die er benutzen wird, um die erstaunlichste Serie von Fälschungen der Welt hervorzubringen. Weil Mark Hofmann ein Betrüger ist, ist alles, was er verkauft, ebenfalls Betrug. Mit 15 Jahren beginnend, als er die US-Schatzkammer mit einer gefälschten, antiken Münze zum Narren hielt,
hat er über 600 außergewöhnliche Fälschungen geschaffen, einschließlich des Anthon-Transkripts, der Joseph-Smith-Briefe und Materialien von Hunderten von berühmten Amerikanern, die alle die betroffenen Experten der Welt täuschten und ihm Millionen einbrachten. Die Frage ist: Wie macht er das?
Mark Hofmann ist ein kriminelles Superhirn, das Millionen mit seinen außergewöhnlichen Fälschungen machte. Aber welche Techniken nutzt er, um die angesehendsten Experten an der Nase herumzuführen,
das Papier für Hofmanns Fälschungen, das mindestens 150 Jahre alt sein musste? Aber man konnte so etwas Seltenes nicht einfach aus dem Regal holen, oder doch?
Wenn niemand guckte, blätterte er auf die leeren Seiten einiger alter Büchereibücher... und sie schnitt sie aus.
Aber alte Tinte zu finden, ist weit schwieriger.
George Throckmorton, Forensik-Experte:
„Er hatte ein altes Rezept für Tinte gefunden, wie sie in den 1830ern hergestellt wurde. Er war in der Lage, diese Tinte herzustellen, indem er nach dieser Formel vorging.
Hofmann zermahlt Eicheln und Wespennester und fügt verschiedene Sulfide, eine Prise Gummi arabicum
und schließlich Wasser hinzu.
Er schüttelt die hellbraune Mixtur und sie verwandelt sich in ein tiefes Schwarz, perfekte Tinte, nicht wahr?
Narrensicher? Falsch, nur halbwegs.
Robert Stott, Staatsanwalt:
„Er ging einen Schritt weiter. Er wusste, dass es wahrscheinlich eine Karbon14-Datierung der Tinte geben würde, die auf dem Dokument verwendet wurde. Dies könnte ein sehr, sehr bedeutendes nationales Dokument sein, und so dachte er: Wie könnte ich dem entgegenwirken? Nun, er riss Stücke von diesem Papier, das er an der Brigham-Young-Universität stahl, und verbrannte sie,
so dass sie verkohlten
und mischte dies in die Tinte, die er benutzte.“
Diese brilliante Idee machte die Tinte nun in die 1800er-Jahre datierbar. Aber für einen Meisterfälscher bestand die schwierigste Hürde darin, die Tinte 150 Jahre alt aussehen zu lassen.
George Throckmorton:
„Es gibt verschiedene Wege, wie man künstlich ein Dokument altern lassen kann. Man kann es erreichen, indem man es mit Sauerstoff behandelt, indem man es mit Hitze behandelt, indem man es mit bestimmten Chemikalien behandelt. Hofmann wendete alle diese Möglichkeiten an.“
Hofmann weichte das Dokument in einem chemischen Ammoniakbad ein, dieselbe Substanz, mit der man normalerweise Fenster reinigt. Dies hat die Wirkung, dass es die schwarze Tinte in ein überzeugendes blasses Braun verwandelt.
Und wie kann er ihm eine perfekte alt aussehende Gelbfärbung geben?
Er benutzte ein Bügeleisen.
Was Hofmanns Fälschungen so überzeugend machte, ist ihre historische Akkuratheit, die Art und Weise, wie sie perfekt die Sprache und den Handschriftstil der entsprechenden Periode treffen.
Aber sie sind auch aus einem anderen Grund überzeugend.
Lange bevor er Fälschungen zum Verkauf anbot, hatte er sich einen genialen Plan ausgeklügelt.
George Throckmorton:
„Er stiftete viele Dokumente Bibliotheken, der HLT-Kirche, ohne etwas zu Verlangen, und später kam er mit einem ziemlich umstrittenen Dokument zurück und verlangte vielleicht zwanzig-, dreißig- oder vierzigtausend Dollar. Während sie versuchten, die Echtheit des Dokuments zu prüfen, schauten sie als Erstes auf die Schrift. Nun sie versuchten die Schrift, die Mark Hofmann fälschte mit der Schrift aus den Archiven zu vergleichen. Und diese Schriftstücke waren von Mark Hofman gestiftet worden und ebenfalls gefälscht. So verglichen sie eigentlich gefälschte Schrift mit gefälschter Schrift. Und dies war der Sturz vieler Laboratorien, einschließlich des FBI.“
Aber bei Fälschungen geht es nicht allein um Technik, sondern es ist auch die Psychologie mit im Spiel.
George Throckmorton:
„Er wollte nie das Dokument selbst finden, er hatte immer jemand anderen, der es für ihn tat. Aus diese Weise fiel der Verdacht nie auf ihn.“
Genau dies geschah, als Hofmann dem Professor erlaubte, das Anthon-Transkript zu entdecken.
Brent Ashworth:
„Wenn ich darauf zurückblicke… Es war ein brilliantes Stück von Hofmanns Seite, wenn jemand dieses Kalibers dies in seiner Gegenwart „entdeckte“ und Mark spielt den Überraschten usw. Und was sie fanden, waren die letzten Seiten einer Bibel aus Carthage, Illinois, wo Joseph Smith getötet worden war. Er behauptete, dass er sie von den Nachkommen Joseph Smiths gekauft hätte.“
Dann, um dem Meisterstück das i-Tüpfelchen aufzusetzen, fälschte er perfekt die Signatur Smiths in der Bibel.
Brent Ashworth:
„Er hatte die Fähigkeit zu verstehen, was die Leute wollten. Und er war in der Lage es zu liefern. Und wenn jemand liefern kann, was sie wirklich wollten, dann sind sie nicht so skeptisch.“
Robert Stott, Staatsanwalt:
„Hofmanns Dokumente sind so überzeugend, dass Brent Aschworth $300.000 dafür ausgab…“
Eine der erfolgreichsten Techniken Hofmanns, um die Entdeckung zu vermeiden, ist, niemals einem Käufer zu erzählen, was er einem anderen verkauft.
Curt Bench, Dokumentenhändler:
„Er war wirklich erfahren damit, Leute voneinander getrennt zu halten, so dass sie sich nicht kannten. Wären wir in der Lage gewesen, zusammen zu kommen und die verschiedenen Transaktionen und die verschiedenen Dinge, die er gesagt hatte, zu diskutieren, hätten wir den Schwindel aufdecken können.“
Zwei Jahre, nachdem er das Anthon-Transkript verkauft hat, erkennt Hofmann, dass die Kirche eine Menge dafür bezahlen würde, um ihren Gründer Joseph Smith zu schützen.
Er erschafft den Salamanderbrief, das erste von einer Serie umstrittener Dokumente, die das Fundament des Mormonenglaubens bedrohen.
George Throckmorton:
„Dies war ein Brief, von Martin Harris geschrieben, der ein enger Freund von Joseph Smith war. Er lieferte den Eindruck, dass Joseph Smith eine Art Scharlatan war, der weiße Magie praktizierte und solche Dinge. Das war für die Kirche irgendwie eine peinliche Angelegenheit.
Michael George, Chef-Untersuchungsbeauftragter:
„Leute wollten diese Dokumente nicht ans Licht kommen sehen, um die Kirche zu schützen. Leute wollten diese Dokumente benutzen, um die Kirche bloßzustellen, und wir haben Leute, die diese Dokumente in verschiedene Richtungen zerren wollen, um sie für ihre eigenen Zwecke zu benutzen. Das trieb den Preis nach oben, das trieb den Status nach oben, das machte ihn zu einer Persönlichkeit in Salt Lake City.“
Nun reist Hofmann nach Osten, wo er sich größere Beute erhofft. Aber er weiß, dass er eine neue Geschäftstaktik bei solch erfahrenen Experten benötigt. Er erschuf sich eine vollkommen neue Persönlichkeit.
Robert Stott, Staatsanwalt:
„Er machte hinten im Osten Bekanntschaft mit zwei sehr erfahrenen Buchhändlern. Ich meine, dies waren Typen, die wirklich handeln wollten. Und es ist interessant, sie sahen Hofmann als eine Art Taube an. Er hatte von ihnen tatsächlich Bücher gekauft ohne Ahnung von den Preisen zu haben, so dass sie ihn für einen Bauernlümmel aus Utah hielten, den sie über den Tisch ziehen könnten.“
Michael George, Chef-Untersuchungsbeauftragter: „Und er ließ diese Leute glauben, dass sie schlauer wären als er. Und er ließ die Leute glauben, dass er dümmer als sie war. Und sobald sie dachten, dass sie diesen Bauernlümmel aus Utah über den Tisch ziehen könnten, hatte er sie am Haken.“
Hofmann benutzte diese Händler der Ostküste, um seinen bisher kühnsten Schwindel zu landen: Ein Dokument, das buchstäblich die amerikanische Geschichte neu schreiben würde.
George Throckmorton:
„Dies sollte angeblich das allererste Dokument sein, dass je in den Kolonien gedruckt wurde.“
Robert Stott, Staatsanwalt:
„Und viele Leute dachten, dass es der Vorläufer für die Auszeichnung der Unabhängigkeit der Verfassung war.“
Um es zu erschaffen, meistert Hofmann nun neue Technik.
George Throckmorton: „Der ‚Eid eines freien Mannes’ ist eher ein gedrucktes als ein handgeschriebenes Dokument.“
Hofmann gibt sich als Unschuldiger, der von Geschichte keine Ahnung hat und täuscht einen kommerziellen Graveur, der eine Druckplatte herstellt.
George Throckmorton:
„Unten befindet sich eine kleine Gegenerklärung, dass dies eine Nachbildung von ‚Eid eines freien Mannes’ ist. Also, als er bereit war, ihn zu benutzen, schnitt er den unteren Teil weg, gab etwas Tinte darüber, die er gemacht hatte, wobei er seine eigene chemische Zusammensetzung benutzte,
und suchte sich dann ein Stück Papier aus, legte die Platte oben auf das Papier, wobei er Druck ausübte, und erhielt dadurch ein Dokument, das wir jetzt den ‚Eid eines freien Mannes’ nennen.“
Robert Stott, Staatsanwalt:
„Die Leute glaubten, dass es das gab. Also erschuf er das Dokument; er füllt das Loch aus. Nun waren die Gelehrten wie erstarrt, weil es ihre Idee, ihre Theorie bewies, dass das Dokument existierte.“
George Throckmorton:
„Dies ist vom FBI, von der Bibliothek des Kongresses, von der Amerikanischen Antiquariaten-Gesellschaft, vom Matrone-Institut, von der Universtity of California und zwei weiteren unabhängigen Laboratorien als echt bestätigt worden. Jedes von ihnen sagte, dass es sich um ein echtes Dokument handelte.“
Die Bibliothek des Kongresses sagte Hofmann, dass es um Bevollmächtigung ersucht, seinen geforderten Preis von 1,5 Millionen Dollar zu bezahlen. Er hatte die Schmerzgrenze der Fälscherkunst erreicht. Aber neun Jahre krimineller Aktivität haben Hofmanns Charakter verändert.
Curt Bench, Dokumentenhändler:
„Er begann in sehr schönen Hotels zu wohnen, der ersten Klasse. Er begann Dinge zu kaufen. Er gab Geld für ein großes neues Haus aus.“
Michael George, Chef-Untersuchungsbeauftragter: „Hofmann begann von seinem Lebensstil eingeholt zu werden. Manchmal beginnen die Gauner zu glauben, dass ihre Betrügereien tatsächlich Realität seien.“
Der sanftmütige Utah-Bauernlümmel beginnt, sich wie ein Wild-West-Gangster zu benehmen
und rast mit seinem neuen Auto durch die Wüste, um mit seinem Maschinengewehr zu schießen.
Aber dieser kühne neue Lebensstil bringt seine sorgfältig aufgebaute Welt dazu, um ihn herum zusammenzubrechen.
In den letzten 9 Jahren hat Mark Hofmann die Experten mit seinen perfekten Fälschungen an der Nase herumgeführt.
Aber sein extravaganter neuer Lebensstil ist ein echtes Problem. Er fordert das Schicksal heraus. Er machte Schulden.
Robert Stott, Staatsanwalt:
„Er glich einer Menge gewöhnlicher Leute, die in solche Dinge verstrickt waren. Sie verprassten das Geld. Sie machen nicht viel Geld, sie verprassen das Geld.
Brent Ashworth, Sammler:
„Er hatte einige Geschäfte, die nicht gut liefen. Er versuchte den „Eid des freien Mannes“ an die Bibliothek des Kongresses zu verkaufen.“
Mehr Zeit fordernd, um den „Eid“ zu prüfen, weigert sich die Bibliothek des Kongresses, Hofmann zu bezahlen. Weil er nun verzweifelt Bargeld braucht, entschließt er sich eine komplette Sammlung von Briefen, Tagebüchern und beeideten Erklärungen zu fälschen, die von William McLellin geschrieben seien, einem erbitterten Kritiker Joseph Smiths.
Michael George, Chef-Untersuchungsbeauftragter:
„Dies war eine Sammlung, die angeblich aus Texas kam und dem Image der Kirche schaden würden.
Hoffman versprach, sie herzustellen. Steven Christianson, Repräsentant der Kirche,
bot ihm Hunderttausende von Dollar an. Somit hatte nun Hofmann Geld. Was er nicht hatte, war Zeit.
Michael George: „Er hätte sich hinsetzen und in einer Nacht ein oder zwei Dokumente zusammen bringen können; aber im Falle von Hunderten von Dokumenten gab es keine Möglichkeit, dass er die Zeit hätte, diese Art der Sammlung zusammenzubekommen.“
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