Das Mountain-Meadows-Massaker
Ein Artikel, der im Ensign für den September 2007 erscheinen wird. Hier wird deutlich, wieviel die HLT-Kirche schon bereit ist zuzugeben, obwohl diese Darstellung noch viele Punkte außer Acht lässt und immer noch bestrebt ist, die Geschichte weich zu spülen. (Anmerkung des Übersetzers)

 

Das Mountain-Meadows-Massaker

Von Richard E. Turley Jun.
Geschäftsführer der Familien- und Kirchengeschichts-Abteilung

Richard E. Turley Jun., “The Mountain Meadows Massacre,” Ensign, Sep. 2007

Der diesjährige September markiert den 150. Jahrestag der schrecklichen Episode in der Geschichte der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Am 11. September 1857 massakrierten etwa 50 bis 60 Milizsoldaten im südlichen Utah mit Hilfe von verbündeten Indianern ungefähr 120 Aussiedler, die mit Wagen nach Kalifornien reisten. Das schreckliche Verbrechen, das nur 17 Kinder im Alter von sechs und darunter verschonte, ereignete sich in einem Hochtal, das Mountain Meadows genannt wird und das sich grob 35 Meilen südwestlich von Cedar City befindet. Die Opfer, die meisten aus Arkansas, befanden sich auf ihrem Weg nach Kalifornien mit den Träumen von einer glänzenden Zukunft.

Anderthalb Jahrhunderte lang hat das Mountain-Meadows-Massaker diejenigen geschockt und gequält, die davon erfuhren. Die Tragödie hat die Verwandten der Opfer zutiefst gegrämt, die Nachkommen der Täter und die Kirchenmitglieder im Allgemeinen mit Kummer und kollektiven Schuldgefühlen belastet, Kritik an der Kirche entfesselt und schmerzvolle, schwierige Fragen aufgeworfen. Wie konnte dies passieren? Wie konnten Mitglieder der Kirche an solch einem Verbrechen mitgewirkt haben?

Zwei Tatsachen machen die Sache sogar noch schwieriger zu ergründen. Erstens: Nichts von dem, was die Aussiedler angeblich taten oder sagten, selbst wenn alles davon wahr wäre, würde annähernd ihren Tod rechtfertigen. Zweitens: Die große Mehrheit der Täter führte vor und nach dem Massaker ein dezentes, gewaltloses Leben.

Wie es bei jeder historischen Episode die Wahrheit ist, so auch bei dem Ereignis des 11. September 1857, erfordert es das Verständnis von den Umständen der Zeit, wovon in diesem Artikel nur eine kurze Zusammenfassung mitgeteilt werden kann. Für einen vollständiger dokumentierten Bericht sei auf das hervorkommende Buch Massacre at Mountain Meadows 1 hingewiesen.

Historischer Hintergrund

1857 marschierte eine Armee der Vereinigten Staaten von grob 1500 Mann in Richtung des Utah-Territoriums und es wurde erwartet, dass mehr folgen würden. In den vorausgehenden Jahren hatten Unstimmigkeiten, Missverständnisse,Vorurteile und politisches Gerangel auf beiden Seiten eine zunehmende Spaltung zwischen dem Territorium und der Bundesregierung geschaffen. Rückblickend kann man leicht erkennen, dass beide Gruppen überreagierten – die Regierung schickte eine Armee, um den so empfundenen Verrat in Utah niederzuschlagen, und die Heiligen glaubten, die Armee käme, um sie zu unterdrücken, zu vertreiben oder gar zu vernichten.

1858 wurde dieser Konflikt – der später Utah-Krieg genannt wurde – durch eine Friedenskonferenz und –verhandlung aufgelöst. Da die Utah-Milizsoldaten und die US-Truppen nie in einer offenen Schlacht gegenüber standen, ist der Utah-Krieg als „unblutig“ charakterisiert worden. Aber die Gräueltat auf den Mountain Meadows machte ihn alles andere als unblutig.

So wie die Truppen im Sommer 1857 ihren Weg nach Westen nahmen, so waren Tausende von Überland-Aussiedlern unterwegs. Einige dieser Aussiedler waren zu Heilige der Letzten Tage Bekehrte auf dem Weg nach Utah, aber die meisten nach Westen orientierten Aussiedler hatten Kalifornien zum Ziel, viele mit großen Rinderherden. Die Aussiedlersaison brachte viele Wagenkolonnen gerade zu der Zeit nach Utah, als die Heiligen der Letzten Tage sich auf das vorbereiteten, was sie für eine feindliche, militärische Invasion hielten. Die Heiligen waren gewaltsam von Missouri und Illinois in den beiden vorhergehenden Jahrzehnten vertrieben worden und sie befürchteten, dass sich die Geschichte wiederholen könnte.

Der Kirchenpräsident und territoriale Gouverneur Brigham Young und seine Berater arbeiteten an einer Politik, die auf diese Wahrnehmung der Dinge beruhte. Sie wiesen die Leute an, ihr Getreide aufzusparen und in den Bergen ein geheimes Depot anzulegen, für den Fall, dass es notwendig wurde, dorthin zu flüchten, wenn die Truppen ankamen. Es sollte kein Korn des Getreides verschwendet oder an Händler oder vorbeiziehende Aussiedler verkauft werden. Die Leute sollten ebenfalls ihre Munition aufsparen und ihre Schusswaffen funktionsfähig machen, und die Milizsoldaten des Territoriums wurden in Alarmbereitschaft versetzt, das Territorium gegen die nahenden Truppen, falls nötig, zu verteidigen.

Diese Anordnungen und Anweisungen wurden allen Führern im gesamten Territorium mitgeteilt. Ältester George A. Smith und das Kollegium der Zwölf Apostel brachten sie in das südliche Utah. Er, Brigham Young, und andere Führer predigten mit feuriger Rhetorik gegen die Feinde, die sie in der nahenden Armee sahen, und suchten das Bündnis mit den Indianern im Widerstand gegen die Truppen.

Diese kriegszeitlichen Maßnahmen verschärften die Spannungen und den Konflikt zwischen den nach Kalifornien orientierten Aussiedlern und den Siedlern der Heiligen der Letzten Tage, während Wagenkolonnen durch Utahs Siedlungen passierten. Die Aussiedler wurden frustriert, als sie sich im Territorium nicht neu versorgen konnten, wie sie es erwartet hatten. Sie hatten es schwer, Getreide und Munition zu kaufen, und ihre Herden, von denen manche Hunderte von Rindern aufwiesen, mussten mit den Rindern der örtlichen Siedler um das begrenzte Futter und Wasser entlang der Route konkurrieren.

Einige traditionelle Utah-Geschichtsberichte über das, was sich auf den Mountain Meadows ereignete, haben die Behauptung akzeptiert, dass ein Giftanschlag ebenfalls zum Konflikt beitrug – dass die Arkansas-Aussiedler absichtlich eine Quelle und ein Ochsenkadaver in der Nähe der zentralen Utah-Stadt Fillmore vergifteten, was Krankheit und Tod unter ortsansässigen Indianern verursachte. Dieser Geschichte gemäß gerieten die Indianer in Rage und verfolgten die Aussiedler in die Mountain Meadows, wo sie die Gräueltaten entweder selbst begingen oder ängstliche Heiligen der Letzten Tage zwangen, bei dem Angriff mitzumachen. Historische Nachforschungen zeigen, dass diese Geschichten nicht richtig sind.

Während es wahr ist, dass einige Aussiedler-Rinder entlang der Route starben, einschließlich in der Nähe von Fillmore, scheinen der Tod die Folge einer Krankheit zu sein, die Rinderherden auf den Überlandrouten in den 1850ern befiel. Menschen zogen sich die Krankheit von infizierten Tieren über Schnittwunden oder Geschwüre oder durch das Essen des kontaminierten Fleisches zu. Ohne dieses moderne Verständnis, hatten die Leute den Verdacht, dass das Problem durch Vergiften verursacht war.

Eskalierende Spannungen

Der Plan, die Aussiedlerkompanie anzugreifen, hatte ihren Ursprung bei den örtlichen Kirchenführern in Cedar City, die kurz zuvor alarmiert worden waren, dass US-Truppen jeder Zeit über südliche Utah-Pässe eindringen könnten. Cedar City war der letzte Ort auf der Route nach Kalifornien, wo man Getreide mahlen und Vorräte kaufen konnte, aber hier wurden die Aussiedler wieder behindert. Dringend benötigte Güter waren im Laden der Stadt nicht erhältlich und der Müller verlangte eine ganze Kuh – ein übermäßiger Preis – um einige Dutzend Getreidebüschel mahlen zu lassen. Wochen der Frustration führten zum Überkochen und während der aufkommenden Spannungen behauptete ein Aussiedler Berichten gemäß, dass er ein Gewehr hätte, das Joseph Smith tötete. Andere drohten, sich den Bundestruppen gegen die Heiligen anzuschließen. Alexander Fancher, der Kapitän des Aussiedlertrecks, rügte diese Männer auf der Stelle.

Die Aussagen der Männer waren wahrscheinlich leere Drohungen in der Hitze des Augenblicks, aber in dem belasteten Umfeld von 1857 nahmen die Führer von Cedar City die Worte der Männer ernst. Der Stadtmarschall versuchte einige Aussiedler mit der Anklage des öffentlichen Berauschens und der Gotteslästerung zu verhaften, aber war gezwungen, davon abzusehen. Die Wagenkolonne machte ihren Weg nach nur ungefähr einer Stunde zur Stadt hinaus, aber die erregten Führer Cedar Citys waren nicht bereit, die Sache so laufen zu lassen. Stattdessen planten sie, die örtliche Miliz herauszurufen, um die beleidigenden Männer zu verfolgen und zu verhaften und sie wahrscheinlich die Strafe mit einigen Rindern bezahlen zu lassen. Rindfleisch und Getreide waren die Lebensmittel, mit denen die Heiligen zu überleben planten, falls sie in die Berge fliehen müssten, wenn die Truppen ankamen.

Der Bürgermeister von Cedar City, Major in der Miliz und Pfahlpräsident, Isaac Haight beschrieb die Beschwerden gegen die Aussiedler und bat um Erlaubnis, die Miliz herauszurufen, mit einer Eildepesche an den Distrikts-Milizkommandeur, William Dame, der im nahen Parowan wohnte. Dame war auch der Pfahlpräsident Parowans. Nach Einberufung einer Ratsversammlung, um die Sache zu debattieren, weigerte sich Dame, der Bitte zu entsprechen. „Beachtet nicht ihre Drohungen“, lautete seine Meldung zurück nach Cedar City, ‚Worte sind nur Schall und Rauch – sie verletzen niemanden; aber wenn sie (die Aussiedler) Gewalttaten gegen Bürger begehen, informiert mich per Eilboten und solche Maßnahmen werden angenommen werden, da sie sicher für Ruhe sorgen werden.“ 2

Immer noch darauf bedacht, die Aussiedler zu züchtigen, formulierten die Führer Cedar Citys dann einen neuen Plan. Wenn sie nicht die Miliz benutzen könnten, um die Beleidiger zu verhaften, würden sie örtliche Paiute-Indianer überreden, der Arkansas-Kompanie „ein Scharmützel“ zu liefern und einige oder alle Männer zu töten und ihre Rinder zu stehlen. 3

Sie planten den Angriff an einem Teil der Kalifornien-Route, der durch eine enge Strecke der Schlucht des Santa-Clara-Flusses einige Meilen südlich der Mountain Meadows verlief. Diese Gebiete fielen unter die Gerichtsbarkeit des Fort-Harmony-Milizmajors John D. Lee, der in die Planung einbezogen wurde. Lee war auch ein vom Bund bezahlter „Indianer-Farmer“ für die örtlichen Paiutes. Lee und Haight hatten eine lange, nächtliche Diskussion über die Aussiedler, in der Lee Haight sagte, dass er glaubte, dass die Paiutes „die ganze Gruppe, Frauen und Kinder, sowie auch die Männer töten“ würden, falls sie zum Angriff angestiftet würden. 4 Haight stimmte zu und die beiden planten, die Schuld für das Töten den Indianern in die Schuhe zu schieben.

Die im Allgemeinen friedlichen Paiutes sträubten sich, als sie das erste Mal von dem Plan hörten. Obwohl die Paiutes gelegentlich Vieh von Aussiedlern als Nahrung abzweigten, hatten sie keine Tradition in groß angelegten Angriffen. Aber die Führer Cedar Citys versprachen ihnen Beute und überzeugten sie, dass die Aussiedler mit „feindlichen“ Truppen verbündet wären, die die Indianer zusammen mit den mormonischen Siedlern töten würden.

Am Sonntag, den 6. September, präsentierte Haight den Plan vor einem Rat der örtlichen Führer, die kirchliche, zivile und militärische Positionen innehatten. Dem Plan wurde mit verdutztem Widerstand von denen begegnet, die zum ersten Mal von ihm hörten und eine erhitzte Debatte anfeuerten. Schließlich fragten Ratsmitglieder Haight, ob er Präsident Young über diese Sache zu Rate gezogen hätte. Verneinend stimmte Haight zu, einen Express-Reiter nach Salt Lake City mit einem Brief zu schicken, der die Situation erklärte und danach fragte, was zu tun wäre.

Eine fünftägige Belagerung

Aber am nächsten Tag, kurz bevor Haight den Brief an Brigham Young gesandt hatte, unternahmen Lee und die Indianer einen verfrühten Angriff auf das Aussiedlerlager auf den Mountain Meadows, anstatt an dem geplanten Ort in der Santa-Clara-Schlucht. Einige Aussiedler wurden getötet, aber der Rest wehrte die Angreifer ab und erzwangen einen Rückzug. Die Aussiedler zogen schnell ihre Wagen zu einem dichten Kreis zusammen und hoben innerhalb der abwehrenden Wagenburg ein Loch aus. Zwei weitere Angriffe folgten im Laufe der nächsten zwei Tage einer Belagerung von fünf Tagen.

Nach dem ersten Angriff hielten es zwei Cedar-City-Milizsoldaten für nötig, die verworrene Situation wahr zu nehmen, und feuerten auf zwei berittene Aussiedler, die sie einige Meilen außerhalb der Wagenburg entdeckten. Sie töteten einen der Reiter, aber der andere entkam ins Aussiedlerlager und brachte die Nachricht mit, dass die Mörder seines Begleiters weiße Männer und nicht Indianer waren.

Die Verschwörer waren nun in ihrem Netz der Täuschung gefangen. Ihr Angriff auf die Aussiedler war ins Schwanken geraten. Ihr Militärkommandeur würde bald wissen, dass sie eklatant seinen Befehlen nicht gehorcht hatten. Eine kaum voran gekommene Botschaft an Brigham Young befand sich auf dem Weg nach Salt Lake City. Ein Zeuge von der Verstrickung Weißer in die Angelegenheit hatte nun seine Neuigkeit mit denen innerhalb der Aussiedler-Wagenburg geteilt. Würden die überlebenden Aussiedler frei gelassen werden und den Weg nach Kalifornien fortsetzen, würde sich schnell die Nachricht verbreiten, dass die Mormonen in den Angriff verwickelt gewesen waren. Eine Armee näherte sich schon dem Territorium und, wenn die Nachricht über ihre Rolle bei dem Angriff hinausgelangt, so glaubten die Verschwörer, dass es zu einer militärischen Vergeltungsaktion führen würde, die ihr Leben und das Leben ihres Volkes bedrohen würde. Außerdem wurde erwartet, dass weitere nach Kalifornien ziehende Aussiedlertrecks in Cedar City und irgendwann auf den Mountain Meadows ankommen würden.

Die Entscheidung der Ratsversammlung ignoriert

Am 9. September reiste Haight mit Elias Morris nach Parowan, der einer von den beiden Miliz-Captains Haights und auch sein Ratgeber in der Pfahlpräsidentschaft war. Wieder ersuchten sie Dames Erlaubnis, die Miliz herauszurufen und wieder hielt Dame einen Parowan-Rat, der entschied, dass Männer ausgesandt werden sollten, um den belagerten Aussiedlern dabei zu helfen, ihren Weg in Frieden fortzusetzen. Haight beklagte später: „Ich würde eine Welt dafür geben, wenn ich eine hätte, wenn wir die Entscheidung des Rates befolgt hätten.“ 5

Stattdessen, als die Versammlung zu Ende war, trafen Haight und sein Ratgeber Dame allein und teilten ihm die Information mit, die sie nicht dem Rat mitgeteilt hatten: Die in einer Wagenburg verschanzten Aussiedler wussten wahrscheinlich, dass Weiße in die ersten Angriffe verwickelt gewesen waren. Sie erzählten Dame auch, dass die meisten der Aussiedler in diesen Angriffen schon getötet worden wären. Diese Information veranlasste Dame, nun von dem mäßigenden Konsens seines Rates isoliert, seine frühere Entscheidung zu überdenken. Tragischerweise gab er nach und, als das Gespräch beendet war, blieb Haight mit dem Gefühl zurück, dass er die Erlaubnis hätte, die Miliz zu benutzen.

Bei der Ankunft in Cedar City rief Haight sofort einige Dutzend Milizsoldaten heraus, die meisten von ihnen Offiziere, um sich anderen anzuschließen, die schon in der Nähe der Aussiedlerwagenburg auf den Mountain Meadows warteten. Diejenigen, die Gewalt an ihrem eigenen Volk in Missouri und Illinois zu beklagen hatten, waren nun bereit, genau demselben Muster der Gewalt gegen andere zu folgen, aber auf einer tödlicheren Ebene.

Das Massaker

Am Freiag, den 11. September, betrat Lee die Wagenfestung der Aussiedler unter einer weißen Flagge und überzeugte irgendwie die belagerten Aussiedler, die schrecklichen Bedingungen anzunehmen. Er sagte, dass die Miliz sie sicher an den Indianern vorbei zurück nach Cedar City geleiten würde, aber sie müssten ihren Besitz zurücklassen und ihre Waffen abgeben, wodurch sie den Indianern ihre friedliche Absicht signalisieren würden. Die misstrauischen Aussiedler diskutierten, was zu tun wäre, aber schließlich akzeptierten sie die Bedingungen, da sie keine bessere Alternative sahen. Sie waren tagelang mit wenig Wasser festgenagelt worden, die Verwundeten in ihrer Mitte lagen im Sterben und sie hatten nicht genug Munition, um nicht einmal einen weiteren Angriff abwehren zu können.

Wie angewiesen verließen die jüngsten Kinder und die Verwundeten in zwei Wagen die Wagenburg als erste, danach die Frauen und Kinder zu Fuß. Die Männer und die älteren Jungen wurden als letzte aufgereiht, wobei jeder von einem bewaffneten Milizsoldaten eskortiert wurde. Die Prozession marschierte eine Meile oder so, bis sich auf ein zuvor festgelegtes Signal hin jeder Milizsoldat zur Seite wandte und den Aussiedler neben sich erschoss, während Indianer aus ihren Verstecken stürmten, um die erschreckten Frauen und Kinder anzugreifen. Milizsoldaten bei den vorausfahrenden Wagen ermordeten die Verwundeten. Trotz der Pläne, das Massaker den Paiutes zuzuschreiben – und ständiger nachfolgender Bemühungen, eben dies zu tun – behauptete Nephi Johnson später, dass seine Milizsoldaten-Kameraden die meiste Tötungsarbeit verrichteten.

Verständigung – zu spät

Präsident Youngs Eilnachricht als Antwort auf Haight vom 10. September kam in Cedar City zwei Tage nach dem Massaker an. Sein Brief berichtete von neuesten Nachrichten, dass keine US-Truppen in der Lage wären, das Territorium vor dem Winter zu erreichen. „Somit seht ihr, dass der Herr unsere Gebete beantwortet hat und wieder den Schlag abwehrte, der auf unsere Köpfe abgezielt war“, schrieb er.

„In Bezug auf die Auswanderertrecks, die durch unsere Siedlungen passieren“, fuhr Young fort, „so dürfen wir nicht einschreiten, bis sie darüber in Kenntnis gesetzt wurden, weg zu bleiben. Ihr dürft euch nicht mit ihnen abgeben. Von den Indianern erwarten wir, dass sie das tun werden, was ihnen gefällt, aber ihr sollt versuchen, gute Gefühle zwischen ihnen und euch aufrecht zu erhalten. Es gibt keinen weiteren Trecks, die nach Süden gehen, von denen ich weiß. Wenn diejenigen, die da sind, wegziehen wollen, lasst sie in Frieden gehen. Während wir alarmbereit sein sollten, auf dem Sprung und immer bereit, sollten wir Geduld besitzen und uns und unser Eigentum bewahren und immer daran denken, dass Gott regiert.“ 6

Als Haight Youngs Worte las, seufzte er wie ein Kind und konnte nur die Worte hervorbringen: „Zu spät, zu spät.“ 7

Nachwirkungen

Die 17 verschonten Kinder, die als “zu jung, um Geschichten zu erzählen” angesehen wurden, wurden von ortsansässigen Familien adoptiert. 8 Regierungsbeamte sammelten die Kinder 1859 und brachten sie den Familienmitgliedern in Arkansas zurück. Das Massaker löschte etwa 120 Leben aus und beeinträchtigte über alle Maßen das Leben der überlebenden Kinder und der anderen Verwandten der Opfer. Anderthalb Jahrhunderte später bleibt das Massaker ein schmerzvolles Thema für die Nachkommen und andere Verwandten.

Obwohl Brigham Young und andere Kirchenführer in Salt Lake City von dem Massaker erfuhren, bald nachdem es sich ereignete, kam ihr Verständnis von dem Ausmaß der Verstrickung der Siedler und den schrecklichen Einzelheiten des Verbrechens erst nach und nach. 1859 entließen sie den Pfahlpräsidenten und andere prominente Kirchenführer in Cedar City aus ihren Berufungen, die eine Rolle in dem Massaker spielten. 1870 exkommunizierten sie Isaac Haight und John D. Lee aus der Kirche.

1874 klagte ein territoriales Hohes Gericht neun Männer wegen ihrer Rolle in dem Massaker an. Die meisten von ihnen wurden schließlich inhaftiert, obwohl nur Lee vor Gericht gestellt, verurteilt und für das Verbrechen hingerichtet wurde. Ein weiterer angeklagter Mann trat als Kronzeuge auf und andere verbrachten viele Jahre damit, vor dem Gesetz wegzulaufen. Andere Milizsoldaten, die das Massaker ausführten, arbeiteten den Rest ihres Lebens unter schrecklichen Schuldgefühlen und wiederkehrenden Albträumen von dem, was sie getan und gesehen hatten.

Familien der Männer, die das Verbrechen ersonnen hatten, litten darunter, dass Nachbarn sie ächteten oder behaupteten, dass Flüche sie befallen hätten. Jahrzehnte lang litten die Paiutes zu Unrecht, da andere ihnen die Schuld für das Verbrechen gaben und sie und ihre Nachkommen „Wagenanzünder“, „Schurken“ und „feindlich gesinnt“ nannten. Das Massaker wurde zum unauslöschlichen Schandfleck der Geschichte der Region.

Heute sind einige der Nachkommen der Massakeropfer und indirekten Verwandten Heilige der Letzten Tage. Diese Personen befinden sich in einer ungewöhnlichen Lage, weil sie wissen, wie man sich fühlt, wenn man Kirchenmitglied und ein Verwandter eines Opfers ist.

James Sanders ist der Ur-Urgroßvater von Nancy Saphrona Huff, eines der Kinder, das das Massaker überlebte. „Ich spüre immer noch den Schmerz, ich fühle immer noch die Wut und die Traurigkeit darüber, dass das Massaker stattfand“, sagte Bruder Sanders, „aber ich weiß, dass die Leute, die dies taten, vor dem Herrn Rechenschaft ablegen werden, und das bringt mir Frieden.“ Bruder Sanders, der als Familiengeschichts-Autorität in der Fünften Snowflake-Gemeinde, Snowflake, Pfahl Arizona, dient, sagte, dass es, als er erfuhr, dass sein Vorfahr in dem Massaker getötet worden war, „seinen Glauben nicht beeinträchtigte, weil er auf Jesus Christus gegründet ist und nicht auf irgendeine Person in der Kirche“.

Sharon Chambers aus der 18. Gemeinde, Ensign-Pfahl, Salt Lake City, ist die Urenkelin des überlebenden Kindes Rebecca Dunlap. „Die Leute, die dies taten, hatten ihren Weg verloren. Ich weiß nicht, was in ihren Köpfen oder in ihren Herzen war“, sagte sie, “ich fühle mich traurig darüber, dass dies meinem Vorfahren passierte. Ich fühle mich auch traurig darüber, dass Leute die Schuld für die Taten einiger einer ganzen Gruppe oder einer ganzen Religion gaben.“

Das Mountain Meadows Massaker hat weiterhin 150 Jahre lang Schmerz und Streit verursacht. Während der letzten zwei Jahrzehnte haben Nachkommen und andere Verwandte der Aussiedler und der Täter zeitweise zusammengearbeitet, um der Opfer zu gedenken. Diese Bemühungen haben die Unterstützung Präsident Gordon B. Hinckleys, von Beamten des Staates Utah und anderen Institutionen und Personen gehabt. Unter den Produkten dieser Zusammenarbeit hat sich die Errichtung der zwei Denkmäler an dem Ort des Massakers und die Anbringung von Tafeln befunden, die gemeinsam an die Arkansas-Aussiedler erinnern. Gruppen von Nachkommen, Kirchenführer und –Mitglieder und zivile Beamte arbeiten weiter auf die Versöhnung hin und werden an verschiedenen Gedenkdiensten an diesen September auf den Mountain Meadows teilhaben.

Fußnoten

1. Das Buch, das von den Historikern der Heiligen der Letzten Tage Ronald W. Walker, Richard E. Turley Jun. und Glen M. Leonard geschrieben wurden, wird bald von der Oxford University Press veröffentlicht.

2. James H. Martineau, “The Mountain Meadow Catastrophy,” 23 Juli 1907, Kirchenarchive, Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage.

3. John D. Lee, Mormonism Unveiled: The Life and Confessions of the Late Mormon Bishop, John D. Lee (1877), 219.

4. Mormonism Unveiled, 220.

5. Andrew Jenson, Notizen über die Diskussion mit William Barton, Jan. 1892, Mountain Meadows-Datei, Jenson-Sammlung, Kirchenarchive.

6. Brigham Young an Isaac C. Haight, 10. Sept. 1857, Letterpress Copybook 3:827–28, Brigham Young Office-Dateien, Kirchenarchive.

7. James H. Haslam, Interview von S. A. Kenner, berichtet von Josiah Rogerson, 4. Dez. 1884, maschinengeschrieben, 11, in Josiah Rogerson, Transcripts and Notes of John D. Lee Trials, Kirchenarchive.

8. John D. Lee, “Lee’s Last Confession,” San Francisco Daily Bulletin Supplement, 24. März 1877.

 
Dies ist keine offizielle Seite der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, sondern sie wird privat geführt und dient der Vertiefung des Hintergrundwissens über diese Kirche.
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